Religiöses Leben

Was für eine Woche

Masken! Abstand halten! Hinten anstellen! Was für eine Woche!

Guten Tag,

Zu Beginn einer neuen Woche muss ich aus der geschützten Wohnung. Etwas Wichtiges organisieren. Der Kühlschrank ist leer. Der Arzt möchte mich sehen. Eigentlich wollte ich die Straßenbahn nehmen. Dort sitzen sie mir zu eng. Das konnte ich sogar aus meinem Fenster sehen. Die einsteigenden Mitfahrer setzen sich nicht auf Lücke. Sie suchen Nähe, das ist meine Beobachtung. Da ist das Fahrrad die beste Variante. Es dauert länger, Bewegung, frische Luft ist gesund. Die Sonne vernichtet die Viren wird gesagt, da bekommt man ja gerade sehr viel ab. Fahrradfahren ist meine Form von Rücksichtnahme. Ab dieser Woche sollen die Autofahrer noch mehr Abstand zu den Radfahrern halten – eine andere Form von Rücksichtnahme.

Der Termin beim Arzt ist kurz, knackig, sehr luftig und seit Wochen mit Masken bestückt. Wie sieht mein Arzt nochmal ohne Maske aus?

Und dann … in den Einkaufsläden, schon auf dem Weg dorthin, habe ich eine neu Sportdisziplin für mich entdeckt: Slalomlaufen beim Einkauf … Ausweichen- Nein … Abstand halten – Nein … Lasse ich mir die Kleinigkeiten für das tägliche Leben schicken? - Was ich eigentlich nicht will. Masken tragen auch nicht alle.

Eine überraschender Anruf meiner Mutter: Schau dir schnell den Bericht über deine Geburtsstadt an. Tatsächlich, die Menschen dort müssen auf der Kurpromade und in den Einkaufszeilen Masken tragen. Viele Leute sind bei einem solchen Wetter unterwegs. Abstand halten ist kaum möglich. Die Einhaltung der Begrenzung von Gruppen auf 4 Personen (anderes Bundesland) findet nicht statt, aber das Ordnungsamt ist kräftig dabei Strafzettel zu verteilen. In anderen Ländern scheint es noch strikter zu zu gehen.

Regeln?

Die Lockerungen sind gerade ein paar Tage alt.

Verantwortungsbewusstsein? 

Ist es vorhanden?

Diese ewigen Diskussionen!

Welchem Politiker,

welchem Virologen,

wem soll ich glauben?

Gelesen habe ich, dass der Reproduktionswert wieder gestiegen ist.

Wir waren unter 1,0.

Die Zahl ist überschritten.

Verantwortungsbewusstsein! Ist das Schlimmste vorbei? Diese Worte, die Streiterei lese, höre ich von allen Seiten – Politiker, Ärzte, Virologen – ein Kommentar der Kirche lese und höre ich nicht.

Eigenverantwortung funktioniert das? Ja / Nein!

Nächstenliebe = Masken aufsetzen

Nächstenliebe = Rücksicht nehmen

Nächstenliebe = Abstand halten

All das ist unser alltäglicher Gottesdienst.

Ich kann vieles nachempfinden, dass die Menschen unruhig, unsicher sind, dass Entscheidungen unterschiedlich ausgelegt, vorgelebt werden.

Mir fehlt die gute alte Schule, der interessante, auch langweilige Schulablauf, die für mich viel zu lauten Schüler, sie fehlen mir. Wie wird es sein, wenn irgendwann alle Schüler in voller Klassenstärke wieder vor mir sitzen, stehen, toben, spielen und jeder möchte etwas anderes? Werde ich mich dann in diese Zeit zurückwünschen?

Die neben mir lebenden Familien drücken mir mit ihrer Geräuschkulisse ihren Tagesrhythmus auf. Der Lärm drückt sich förmlich durch die Wände. Aus den Ruhezeiten muss ich mir einen eigenen Plan zusammenbasteln. Zum Glück spielen alle dasselbe Instrument, Klavier. Nur die Übungszeiten sind nicht abgestimmt. Nach sechs Wochen Vergleich des Fortschritts wird immer noch an derselben Stelle hängen geblieben, es wird ein neues Stück geübt. Klavier rechts und oben, links die Elektrogitarre und der Bassverstärker der Anlage. Ich genieße die Ruhe mit und ohne Kopfhörer. Wie wird es wieder in der Schule sein? Die Schüler haben immer wieder behauptet: Das können sie gar nicht gehört haben! Das meinen auch meine Kinder. Tatsache ist: Das ein oder andere Gespräch aus den Wohnungen nebenan hätte ich mitschreiben können, wenn ich nicht gerade in einem meiner vielen Bücher eingetaucht wäre.

Von dem promovierten Physiker und Bestsellerautor Paolo Giardono, der schnell zur Pandemie einen Roman veröffentlichte, hab ich gerade gelesen:

„Ich habe keine Angst davor zu erkranken. Wovor dann? Vor all dem, was die Ansteckung verändern kann. Davor zu entdecken, dass das Gerüst der Zivilisation, so wie ich sie kenne, ein Kartenhaus ist.“

Ich habe Angst. Ich kann mich P. Giardono anschließen, was passiert mit dem „Kartenhaus“, was geschieht mit unserer Gesellschaft, werden wir wirklich besser auf uns aufpassen, auf die anderen achten … ? Meine Angst sitzt unter der Haut, ein stinknormales Fieber kann mich schon ausknocken … Was passiert, wenn es ganz mächtig kommt?

„Wie gestalten wir den neuen Alltag? Die Normalität ist ausgesetzt, und wir wissen nicht wie lange. Nutzen wir die Zeit des Ausnahmezustandes, um über unseren Lebensstil nachzudenken. Vieles, was gewiss war, ist jetzt ungewiss, aber eines ist klar. Diese Pandemie wird uns und unser Leben verändern.“ (Paolo Giardono)

Politiker, Wissenschaftler, Autoren, Menschen der ganzen Welt, jeder hat etwas zu sagen. Der eine meint, es passiert nichts, alles übertrieben, der andere „… sonst riskieren wir den Kollaps.“ Es ist nicht einfach zu verdauen.

Der Weg des Herrn ist unergründlich.

(R. Hirth)

Frühlingsgedanken

Frühlingsgedanken

Immer noch steht das Leben in vielen Bereichen still...Ruhe, Pause!

In anderen Bereichen „pulsiert“ es – bei Familien mit Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice, in Krankenhäusern, beim Pflegepersonal in Altenheimen...

Viele unterschiedliche, bisweilen fast gegensätzliche Gefühle werden in mir ausgelöst.

Manchmal scheint Sorge und Angst mich zu erdrücken.

Manchmal bin ich ausgefüllt von Zuversicht und Dankbarkeit.

 

Es ist Frühling – ich nehme das Erwachen der Natur mit viel Freude wahr.

Ganz besonders in diesen Zeiten ist der Frühling für mich ein Hoffnungsbild. Aus winterlicher Starre wächst neues Leben.

Auch in uns und in der Gemeinschaft mit anderen Menschen entdecke ich viel „Aufblühendes“. Darüber bin ich sehr froh.

Das Frühlingsbild von Amos (Klasse 3b) lädt mich dazu ein, dem noch mehr Raum in mir zu geben.

(G. Tiefensee)

Eine ganz normale Zeit

Meinen Schülern habe ich gerade geschrieben und die Frage aufgeworfen: was ist eine ganz normale Zeit. Was ist Zeit? Was ist normal? Hatten wir das nicht schon alles: Abstand halten, Maskenpflicht, Quarantäne?

Eine ganz normale Zeit

Gut über 30 Tage sind wir nun im zwangsentschleunigten Dasein. Wir ahnen jetzt schon, dass unsere Leben „danach“ ein anderes sein wird. Und doch hoffen wir sehr, dass dieser Dornröschenschlaf vielleicht auch positive Folgen haben könnte, auch wenn das gerade schlecht vorstellbar ist.

Werden wir in Zukunft der Welt gegenüber sensibler sein? Wird es vielleicht ein flexibleres, vielleicht vereinfachteres, vielleicht sogar freundlicheres Miteinander geben? Momentan passieren fast jeden Tag Dinge, die man nicht für möglich gehalten hat. Der Staat muss in dieser Zeit der Corona-Krise seinen Bürgern viel zumuten, muss ihnen aber auch vertrauen.

Ich träume: Es wäre doch schön, wenn dieses Vertrauen auch "danach" weiterexistieren könnte, wenn wieder Alltag einzieht. Wäre es nicht schön, wenn dann Dinge vereinfacht würden, die uns täglich die Zeit und Kräfte rauben? Kurze Wege, weniger Papierkram und 50 andere Erklärungen, die uns so viel Lebenszeit kosten. Wäre das nicht großartig?

Die Corona-Pandemie geht auch an unseren Kindern nicht spurlos vorüber. Sie haben Ängste und Sorgen, um Verwandte, Großeltern, um die eigene Gesundheit.

Wo ist Gott in dieser Zeit? Warum legt er uns und der gesamten Menschheit eine solche Aufgabe auf? Wie kann mir Gott helfen? Kann Gott mir helfen?

In der Bibel steht:

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Joh. 14,6  

Wenn ich mit dem Auto eine weite und vielleicht auch unbekannte Strecke fahren muss, brauche ich auch so eine Straßenkarte, der Navi kennt die Strecke nicht. Erst einmal nachsehen: Wo liegt überhaupt der Ort, an den ich hinfahren will? Und vor allem: Welche Wege führen dorthin? Je weiter der Ort weg ist, desto mehr Wege habe ich zur Auswahl. Das ist oft recht verwirrend. Und da ist es dann schon gut, wenn ich mich anhand einer Karte orientieren kann. Ich kann den schnellsten Weg aussuchen oder den kürzesten Weg von der Karte ablesen, ich kann mir auch die Strecke nach der Schönheit der Landschaft auswählen. Die Karte hilft mir dabei, mich zu orientieren und mein Ziel zu erreichen. 

Derzeit stehen wir mal wieder am Anfang eines Erlebnisses. Wie viele Tage liegen noch vor uns? Lebenszeit, die uns zur Verfügung steht. Jeder einzelne Tag ist wieder voller Möglichkeiten, aber nicht alles lässt sich verwirklichen. Deswegen wählen wir aus, was wir erleben wollen. Wir setzen uns Ziele, die wir erreichen wollen. Langeweile und Alleinsein möglichst vermeiden, weniger Stress mit den Eltern oder  der Clique. Wenn wir alles sammeln würden, kämen sicherlich so viele Ziele dabei heraus, wie Orte hier auf dieser Landkarte eingezeichnet sind. Je mehr Ziele, desto mehr Wege, sie zu erreichen. Wie schön wäre es da, wenn wir für die Wege zu unseren Zielen auch so eine Landkarte hätten. Wie schön wäre es, wenn wir für die nächsten Wochen so ein Hilfsmittel zur Hand hätten! Wir würden den Schwierigkeiten von vornherein ausweichen; wir würden gefährliche Strecken erst gar nicht gehen. Wir könnten uns den Weg des geringeren Widerstandes aussuchen. Wenn wir so eine Karte hätten, dann wären wir in jedem Fall vorbereitet. Wir könnten auf das, was sich uns in den Weg stellt, besser reagieren. Aber leider gibt es so eine Karte noch nicht. Wir können in keiner Buchhandlung so einen Plan von der „ganz normalen Zeit“ kaufen. Ziele haben wir zwar jede Menge; aber die Wege dorthin liegen noch im Dunkeln. Deswegen sind wir wohl auch vor jeder neuen Entscheidung immer etwas unsicher. So unsicher, wie vor einer großen Reise. Wir fragen uns, wie wir das Schuljahr, die Virusphase überstehen, ob wir unsere Ziele überhaupt erreichen. Wir fragen uns, welche Wege wir gehen müssen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Dieser Satz steht bei den letzten Worten, die Jesus Christus im Johannesevangelium zu seinen Freundinnen und Freunden spricht. An mir könnt ihr euch orientieren, wenn ihr euren Weg sucht. Wenn ihr mir glaubt, dann seid ihr mir auf der Spur. Ihr folgt mir nach, in Sanftmut und Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Ihr lasst euch von meiner Menschenfreundlichkeit anstecken und damit seid ihr auf dem richtigen Weg. Ihr werdet dabei euren ganz persönlichen Weg finden. Und es wird ein guter Weg sein.

Bleiben Sie behütet in allem, was Sie gerade tun können oder lassen müssen.

Ralf Hirth

Frühlingspsalm

Du hast mich
aus dem Tunnel geführt,
mein Gott,
hell und weit kommt mir das Leben entgegen.
Wie herrlich,
daß mich die Sonne blendet,
daß ich Erde spüre
unter den Füßen!
Die kleinen Schnäbel der Vögel
durchstoßen die Wände
aus Dunkel und Glas,
und ihre Lieder durchschwirren die Luft.
Wie hoch sich deine Himmel wölben,
mein Gott,
wie sie sich in Hoffnung und Freude kleiden!
Bald werden mit mir
die Anemonen und Schlüsselblumen,
das Scharbockskraut
und die Leberblümchen,
die Veilchen und die Goldweiden sagen:
Das Leben ist voller Wunder,
Gott,
wir loben dich, Schöpferin Liebe,
wir danken dir.

Und ich weiß wieder,
Gott,
daß du immerfort die Welt erschaffst,
daß du alles neu werden läßt,
auch mich, wenn ich ja dazu sage.
Wie erst, unser Gott,
wie erst
wird der unvergängliche Frühling sein?

(Christa Peikert Flaspöhler, aus: mit deinem Echo im Herzen)


Religion am Evangelischen Schulzentrum

Im Evangelischen Schulzentrum wird von der ersten bis zur zwölften Klasse Religionsunterricht erteilt. Das Fach Religion wird außerdem als Leistungskurs angeboten. Fester Bestandteil des Schulalltags sind auch die im Wechsel von allen Klassen vorbereiteten Montagsandachten sowie Gottesdienste zum Schulanfang, zu Weihnachten und zur Passionszeit. Die Schülerinnen und Schüler der Oberschule haben ab der sechsten Klasse die Möglichkeit, Diakonie als Fach zu wählen, bzw. nach der neunten Klasse den Hauptschulabschluss zu absolvieren. Die zehnten Klassen des Gymnasiums schließen ein soziales Praktikum ab.

Aktuell bieten wir mit drei regelmäßigen Terminen die Möglichkeit für gemeinsamen Austausch und Gebet:

  • - Müttergebet, mittwochs um 8:30 Uhr im Raum der Stille; Kontakt: Kerstin Kluge: kerstin@kluge-leipzig.de
  • - Flames in God, jeden Dienstag und Freitag in der 2. Hofpause im Raum der Stille; Kontakt: Miriam Schneider: mimisu.schneider@gmail.com, Talida Benndorf: talida.benndorf@gmail.com
  • - Bibelpause, donnerstags in der 1. Hofpause im Raum der Stille; Kontakt: Herr Nitschke, jnitschke@schulzentrum.de

 
siehe auch:

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