Gedanken zum Lesen

„Wer möchte eine Buch für die Sommerferien auf unserer Homepage empfehlen?“ [1]

Der kurzfristigen Anfrage in einigen Klassen folgten 13 Kinder und Jugendliche. Es gab keine Kriterien hinsichtlich der Bücherauswahl. Es winkte keine Belohnung, außer die der eigenen Freude am Tun. Etwas Vorbereitungszeit musste genügen, um sich nochmal zu sammeln und um sich vor der Kamera in weniger als einer Minute auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Die Liebe zum Buch beginnt meist in der Familie, beispielsweise mit der täglichen Gutenachtgeschichte gemütlich unter der Leselampe am Bett. Beim empathischen Vorlesen gedeiht nicht nur eine einzigartige Verbindung zwischen einer Geschichte und einem Kind, sondern auch zwischen Kind und Vorleser.  Wer, wenn nicht die vorlesenden Mütter und Väter, vielleicht auch Geschwister, Großeltern und Paten sollten die Begeisterung am Buch zuerst vermitteln?

Nach den ersten Lebensjahren spielen auch andere Umgebungen eine Rolle, zuerst der Kindergarten, danach die Schule. Nach und nach wird aus der Freude am Buch die Pflicht, lesen zu müssen. Wie aber kann Pflicht Freude machen? Dazu noch in unserer digitalisierten Welt? Konkret am Eva Schulze?

Es beginnt bei unserem professionellem Hort- und Grundschulpersonal, welches – oft unterstützt von Eltern – dafür sorgt, dass der Fluss guter Bücher hinein in die Klassen- und Horträume so wenig versiegt wie die Kunst des Vorlesens bspw. an dem jährlich stattfindenden Vorlesetag für alle Grundschulkinder. Über Lehrerinnen und Lehrer, die regelmäßig mit ihren Klassen Angebote der Stadtbibliothek nutzen bis hin zu Kunstprojekten, in denen lesende Tonfiguren, Illustrationen oder Comics entstehen, findet direkte und indirekte Leseförderung statt. Fester Bestandteil ist die Durchführung einer Märchennacht und des Vorlesewettbewerbs in den 6. Klassen. Auch die immerwährende Suche von Lehrern nach abwechslungsreicher Lektüre für den Deutsch-, Religions- oder Fremdsprachenunterricht ist engagierte Leseförderung.

Die Schulbibliothek unterstützt das „Curriculum des Lesens“ u.a. mit einem ausgewählten Buchbestand und der Sternstunde Lesen. Für diese gibt es Rollkoffer gepackt mit spannender Lektüre für eine Lesestunde in den Klassen 1 bis 8. Auch der Besuch der Buchmesse einschließlich von Lesungen und unsere „Hauslesungen“ selbst sind Teil der Lesekultur am Eva Schulze. Wer von den Schülern dabei war, wird die knisternde Atmosphäre mit Reiner Kunze, Miriam Pressler, Alois Prinz oder Juri Andruchowytsch nicht vergessen.

Unsere hybride Lesung „Sophie Scholl. Aufstand des Gewissens“ mit Simone Frieling möchte ich deshalb hervorheben, weil sie aus der Corona-Krise heraus die erste analog-digitale Version war und weil wir das Format selbst entwickelten. Zudem war es die dritte Lesung, an der Schüler unmittelbar an der Vorbereitung und Moderation beteiligt waren. „Mir wurde bewusst, wie viele Gedanken und wie viel Zeit für eine gelungene Lesung nötig sind und wie viele Personen mitwirken. (Katharina Jansen, 10 b).

Wertschätzung von Heranwachsenden für das eigene und das Tun anderer Menschen kann gedeihen, wenn sie zunehmend Verantwortung übernehmen dürfen. Dafür sollten wir ihnen immer wieder die nötigen Freiräume öffnen. 

Verantwortung haben auch Alice, Clara, Franz, Franziska, Frieda, Jonathan, Julia & Julia, Lorenz, Martha, Mona, Paula, Pauline übernommen, indem sie sich der Aufgabe stellten, Gleichaltrigen Bücher zu empfehlen. Und dass der Funke überspringen kann, war deutlich zu erleben, als drei 5.-7. Klassen die Buchtipps ihrer Altersgenossen auf der Leinwand ansahen und danach angeregt in den Regalen stöberten.  Nur etwas länger müssten die Clips sein. Darüber lässt sich reden. 

Möge ein gutes Buch nicht fehlen im Sommerferiengepäck!

Sabine Grunwald, Schulbliothekarin

[1] Die Filmclips sind gemeinschaftlich entstanden. Ein Dank an Frau Schelling für die Bewerbung im Vorfeld, Herrn Nitschke für die organisatorisch-technische Hilfe, Herrn Nürnberger für das Kameratraining und Herrn Schulze-Tammena für die Anregung und Unterstützung.